Skip to content

Frosch-Post aus Seattle

Geocaching Da freut sich aber der Ingress-Frosch: Groundspeak bedankt sich für meinen sportlichen Einsatz bei der Wahl zum Geocacher des Monats mit einem kleinen Geschenk-Package.

Der Brief aus Seattle war heute mittag in meiner Mailbox im Hauseingang. Mit dabei war Kermit, ähh, Signal der Frosch, in Form der 2012er Lackey Geocoin, der sofort der Bosch'schen Perforationskunst unterzogen wurde. So kann ich meine neue Frosch-Geocoin an die Kette (oder besser den Lanyard) legen.

Es wurde auch langsam Zeit, meinen 17er Schlüssel den ich seit einigen Jahren auf Events ausführe durch einen Frischen zu ersetzen.

GST049

Passend zu meiner neuen Freizeitbeschäftigung ein grüner Frosch. Perfekt. Der wird heute abend auf Mic@'s Seifenblasen-Event sofort eingeweiht.

Geocaching und Ingress

Geocaching "Spielen Sie da dieses Geocaching?" will der Polizist wissen, der grad mit seinem Kollegen in sein grün-weißes Spielmobil steigt. "Nein, den Nachfolger!" kommt es aus der Gruppe der Frösche. Allgemeines Gelächter.

Wir stehen in Neukölln an einem Cafe Achteck, die Portale sind in etwa die Locations, die drei "K", wie man sie auch vom urbanen Geocaching kennt: Kirchen, Kunstwerke und hier auch mal das Alt-Berliner Klohäuschen. Nur muss man diesmal nichts anfassen, bis auf 30 Meter rangehen reicht schon.

Frösche und Schlümpfe nennen sich die Parteien gegenseitig. Ingress, das neue große Ding von Google, mit dem vom WLAN bis zur Fußgängergeschwindigkeit alles erhoben und der Internet-User mehr an Dienste von Google plus bis zum Google calendar gebracht werden soll. Dafür kostet es nichts, außer dass man sich selbst datentechnisch nackig machen muss: Das App will alles, von GPS-Position über Netzwerkzugang bis zu Zugriff auf soziale Kontakte.

Der Vergleich vom Geocaching und Ingress hinkt aber, das ist wie mit den Äpfeln und Birnen. Apropos Äpfel, man braucht ein Android-Smartphone dafür. Wer noch keins hat, holt sich ein Tablet, wenn es das Budget für Spielsachen zulässt. Eine App für iOS dürfte noch auf sich warten lassen. Wer keinen vernetzten Androiden hat, muss schon deswegen erstmal weiter Plastikdosen im Dreck suchen.

Also hab ich mir vor zwei Wochen so ein Nexus 7 geholt, als mir zum Geburtstag ein Invite-Code für Ingress zugestellt wurde. Geocaching ist eh tot, es wurde Zeit für das persönliche Technologie-Update. Also nicht dass Geocaching keiner mehr spielt, ganz im Gegenteil, und ich würde es im Urlaub auch noch machen, aber da tut sich nichts mehr.

Für die Generation-"i" ist es nur noch öde, Koordinaten einzutippen und sich dosensuchend zum Stadtaffen zu machen. Worin zugegebenermaßen auch eine neue Perspektive für Geocaching liegen dürfte: Vielleicht findet so Geocaching zur freien Wildnis zurück, da wo kein Funkmast steht. Ich würde es mir wünschen.

Den esoterischen Hintergrund von Ingress (z.B. bei Wikipedia nachzulesen) lassen wir mal außen vor, der verwirrt nur. Es ist auch ein Spiel mit GPS, man bekommt interessante Orte zu sehen und darf die auch mehrmals aufsuchen. So oft übrigens, dass ich die ersten Tage amtlichen Muskelkater hatte. Mittlerweile spüre ich die Fitness, die das neue Spiel mir bringt. Es dürfte so der Effekt sein, den Leute beschreiben die sich einen Hund zugelegt haben.

Und nicht nur das, sondern auch neue soziale Kontakte. Wie in den alten Tagen des Geocachings, Der typischen Ingresser ist mal wieder 30-40 Jahre alt, männlich und IT-technisch interessiert, also die unvermeidlichen early Adaptors. Aber anders als beim Geocaching, wo der Nerd plötzlich mit der Anglerweste in den Wald lief, ist man hier in coolen Agenten-Outfit mit Sonnenbrille in der Stadt unterwegs. Und trifft interessante andere Agenten, teilweise alte Bekannte.

Wenn man anfängt, hat man L1 - gelesen "Level eins". Das ist sozusagen der gelbe Gürtel. Damit kann man die anderen Faction nicht so richtig angreifen, die Waffen für L1 sind ziemlich mickrig und die erstellten Portale eher schwach. Aber man kann schon mitmischen, wer hier versteht was zu tun ist kommt schnell weiter.

Vor allem wer Kontakt zu anderen Agenten findet, die ein paar Portal-Keys abgeben, die man benötigt zum verlinken von Portalen und Aufbau von Feldern, kann schnell AP (=Punkte) machen. Felder sind überhaupt das Thema, sie geben am meisten Punkte, und geht es doch um nicht geringeres als die Weltherrschaft! Was aber den Newbie eher wenig kratzt.

Im Laufe von L5 oder L6 ändert sich dann die Strategie. Außerdem stellt man spätestens dann den an sich recht guten Sound des Spiels aus. Vor allem beginnt man mehr Punkte durch Zerstörung zu machen, und natürlich an dem Aufbau von Feldern mitzuarbeiten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Gegner sich das nicht lange bieten lassen. Sie rücken nicht etwa morgen an, sondern innerhalb der nächsten Minuten.

So ist was eben noch grün war, jetzt schon wieder blau. Der Feind hat alles kaputtgemacht, was man grad schön aufgebaut hat. Hier lernt man auch, dass dies Teil des Spiels ist. Das muss so sein, sonst könnte es ja nicht weitergehen. Solche Zerstörung ist überhaupt kein persönlicher Angriff (wer sich beim Geocaching schon über eine kritische Note ärgert, ist bei Ingress pauschal falsch)

Die gegnerischen Angriffe sind eine Möglichkeit wieder zurückzuschlagen. Allein hat man hier keine Chance, daher am besten mit dem lokalen Clan. Die Intel-Karte zeigt in Echtzeit den Verlauf des Lokalderbies, schnell verabredet, konzertierte Attacke, und danach ein Bier in der nächsten Kneipe. Oder aus dem Rucksack, weil vorsorglich gleich mitgebracht. Wo auch der externe Akku-Pack liegt, denn neben XM (die Lebensenergie im Spiel) ist auch der reale Ladezustand ein limitierender Faktor.

Der schwarze Gürtel ist dann L8, im Spiel dunkelviolett, hier gehts dann nicht mehr weiter. Die Absicht ist, der Gier nach immer mehr AP ein Ende zu setzen, weil es keinen höheren Level zu erreichen gibt. Wesentliche Aufgabe ist dann, den neu rekrutierten Agenten über die ersten Level zu helfen. L8-Agenten suchen sich dann außerdem neue Herausforderungen, liefern sich dann eigene Schlachten, z.B. zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Territorium zu besetzen.

Geocaching ist tot

Geocaching Seit 2009 behaupte ich, dass es mit dem Geocaching so langsam dem Ende zu geht. Heute ist es soweit. Ich erkläre Geocaching als tot. Im Jahre 2010 war noch die beste Zeit des Geocachings, jetzt ist es endgültig soweit, das Hobby hat seine beste Zeit hinter sich.

Nicht nur die Beiträge in der grünen Hölle, auch die Statistiken zu Geocaching lassen einen deutlichen Trend erkennen. Auch Blogs und Podcasts, um 2011 noch inflationär am Start, sind nun in den Geocaching-News deutlich weniger zu sehen.

Ich habe immer den Vergleich mit dem CB-Funk strapaziert. Dazu die Vermutung, dass das ehemalige Hobby für Geeks zu einem Mainstream verkommt und Hans und Franz dem ganzen mit Stress auf Kindergarten-Niveau den Rest geben. Ähnlich wie CB-Funk vor vielen Jahren bevor es Handys gab, war Geocaching mal ein schönes Hobby: "Suche Dosen und finde Freunde!" brachte es ein mittlerweile verstorbener Kollege aus Bremen auf den Punkt.

Was ich übersehen oder ignoriert hatte, war die technische Entwicklung: Ohne preiswerte (um nicht zu sagen billige) Mobiltelefone hätte der Amateurfunk nicht nur für mich vielleicht noch eine Bedeutung. Dem sozialen Ende des Hobbys spielte nämlich das technische Ende in die Hände. Das haben wir heute beim Geocaching wieder. Der Ausverkauf hat begonnen, die letzten GPS-Empfänger und TBs oder Geocoins gibts nun beim Elektronik-Discounter - war irgendwann mit den Funkgeräten bei Quelle auch so.

Ich komme aus einer Epoche, wo Computer noch kleine Schränke mit großen Disketten waren. Dann kamen die PCs, später GUIs, viel später das Internet. Viel wichtiger dabei: Jede neue Generation der Computerei brachte eine höhere Marktdurchdringung. Geocaching kommt aus der Epoche Web 2.0, also der Kram mit "syndication" und "user generated content". GPS war damals recht frisch und geek, die ersten Geräte für andere Zwecke konzipiert. Geocaching kann schon fast als "oldschool" betrachtet werden gemessen an aktuellen technischen Entwicklungen.

Wir leben jetzt in der Epoche "Internet immer und überall", da ist für archaisches Dosen suchen im Dreck der Stadt kein Platz mehr. Das war auch nie Geocaching, da ging es um Munkisten jenseits der Zivilisation. Geocaching wird daher in der Natur noch zeitweise eine Nische besetzen können. Und auch hier wird der technische Fortschritt neue Varianten bereit halten um Natur technikgestützt zu erleben.

Schwache Abklatsche des Spiels mit QR-Codes wie Munzee sind da allerdings nicht der große Wurf, die Technologie erlaubt mehr Spieltiefe. Halbherzig vorangetriebene Innovationen wie Wherigo wiesen da schon mal die Richtung wurden aber eher zum Rohrkerpierer. Die Zukunft gehört neuen "location based games", von denen es nebem dem aktuellen Ingress noch viele weitere geben wird.

Ich habe 2003 mit Geocaching begonnen, es hat mich abgeholt, da kamen wohl die Gene von Vermesser-Opa durch. Ich habe Geoinformatik studiert um alles besser zu verstehen und das ist mein Job heute. Auf meinem Android habe ich auch c:geo, eine hervorragende Geocaching-App, von der sich die Herren aus Seattle mit ihrem Murks mal eine Scheibe abschneiden können.

Ich kann damit toll Dosen suchen, sowas hätte man um 2006 mal haben sollen, da haben wir uns noch über "paperless caching" auf alten Palmtops gefreut, aber die Luft ist raus. Ich werde nicht mehr im Dreck nach Filmdosen suchen oder mir über Rätsel anderer Leute Gedanken machen.

Geocaching ist zumindest für mich seit heute tot. Ab und an werde ich noch mal in einer kleinen Runde das Garmin in der Hand nehmen, ein paar Punkte für die OpenStreetMap machen und vielleicht in kleiner geselliger Runde eine Dose suchen. Für den Geoclub bedeutet das allerdings, dass er sich nicht nur auf Geocaching beschränken kann, sondern weiter für andere Geo-basierte Spiele geöffnet wird.
tweetbackcheck